Ratgeber

Betriebliche Krankenversicherung im Minijob: Zählt sie zum Verdienst?

Viele Arbeitgeber zögern, Minijobber in die bKV aufzunehmen – aus Sorge, die Verdienstgrenze zu überschreiten. Die gute Nachricht: Als steuerfreier Sachbezug zählt die bKV nicht zum Verdienst. Damit ist sie eine der wenigen Möglichkeiten, Minijobbern mehr zu geben, ohne den Minijob zu gefährden.

Redaktion bKV-Kosten.de Aktualisiert am 19. Oktober 2026 6 Min. Lesezeit
Inhalt (7 Abschnitte)
  1. Die Verdienstgrenze im Minijob 2026 und 2027
  2. Zählt die betriebliche Krankenversicherung zum Minijob-Verdienst?
  3. Der 50-€-Topf ist bei Minijobbern besonders wichtig
  4. Gehören Minijobber in die bKV? Ja – das sagt das Arbeitsrecht
  5. Was die bKV für Minijobber kostet
  6. So setzen Sie die bKV für Minijobber um
  7. Und Ihre eigene Absicherung als Inhaber?
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Verdienstgrenze im Minijob liegt 2026 bei 603 € und ab 01.01.2027 bei 633 € im Monat (Minijob-Zentrale, 07.10.2026); sie folgt dem Mindestlohn (§ 8 Abs. 1a SGB IV).
  • Lohnsteuerfreie Zuwendungen, die zusätzlich zum Lohn gewährt werden, sind kein Arbeitsentgelt (§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SvEV) – eine bKV als Sachbezug bis 50 € im Monat zählt deshalb nicht zur Verdienstgrenze.
  • Anders bei Pauschalierung nach § 37b EStG: Sie ist sozialversicherungspflichtig, der Beitrag zählt dann zum Arbeitsentgelt und kann die Grenze sprengen.
  • Minijobber sind Teilzeitbeschäftigte (§ 2 Abs. 2 TzBfG) und dürfen ohne sachlichen Grund nicht schlechter gestellt werden (§ 4 Abs. 1 TzBfG).
  • Der bKV-Beitrag gilt pro Kopf: Ein 300-€-Budget kostet im Mittel 13,40 € je Mitarbeiter und Monat – unabhängig von den Arbeitsstunden.

Eine betriebliche Krankenversicherung im Minijob zählt nicht zur Verdienstgrenze, solange sie als steuerfreier Sachbezug innerhalb der 50-€-Freigrenze bleibt: Lohnsteuerfreie Zuwendungen zusätzlich zum Lohn sind kein Arbeitsentgelt (§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SvEV). Die Verdienstgrenze liegt 2026 bei 603 € und ab 2027 bei 633 € im Monat (Minijob-Zentrale, Stand Oktober 2026).

Die Verdienstgrenze im Minijob 2026 und 2027

Eine geringfügige Beschäftigung liegt vor, wenn das Arbeitsentgelt regelmäßig die Geringfügigkeitsgrenze nicht übersteigt (§ 8 Abs. 1 Nr. 1 SGB IV). Diese Grenze ist an den Mindestlohn gekoppelt: Sie wird berechnet, „indem der Mindestlohn mit 130 vervielfältigt, durch drei geteilt und auf volle Euro aufgerundet wird“ (§ 8 Abs. 1a SGB IV).

Verdienstgrenze im Minijob; 2026 laut Geringfügigkeitsgrenze, 2027 laut Minijob-Zentrale (Artikel vom 07.10.2026, Mindestlohn 14,60 € ab 01.01.2027). Jahreswerte = Monatsgrenze × 12.
JahrVerdienstgrenze pro Monatpro Jahr
2026603 €7.236 €
ab 01.01.2027633 €7.596 €

Für Arbeitgeber mit vielen Minijob-Kräften – etwa in Handel, Gastronomie, Reinigung oder Pflege – stellt sich damit eine praktische Frage: Wie kann ich Minijobbern mehr bieten, ohne die Grenze zu überschreiten? Eine Lohnerhöhung stößt schnell an die 603 bzw. 633 €. Die bKV dagegen zählt unter den richtigen Voraussetzungen gar nicht mit.

Zählt die betriebliche Krankenversicherung zum Minijob-Verdienst?

Grundsätzlich gehören alle laufenden und einmaligen Einnahmen aus der Beschäftigung zum Verdienst, auch geldwerte Vorteile. Aber: „Steuerfreie Einnahmen zählen in der Sozialversicherung grundsätzlich nicht zum Arbeitsentgelt“ (Minijob-Zentrale, 14.10.2026). Die Rechtsgrundlage ist § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SvEV: Zuwendungen, die zusätzlich zu Löhnen oder Gehältern gewährt werden, sind kein Arbeitsentgelt, soweit sie lohnsteuerfrei sind – vorausgesetzt, der Arbeitgeber belässt sie mit der Entgeltabrechnung des jeweiligen Monats lohnsteuerfrei (§ 1 Abs. 1 Satz 2 SvEV).

Für die bKV heißt das: Schließt Ihr Unternehmen den Gruppenvertrag ab und zahlt die Beiträge, ist der Versicherungsschutz Sachbezug (BMF-Schreiben vom 15.03.2022, Rn. 6). Bleiben alle Sachbezüge eines Monats zusammen bei höchstens 50 €, ist er lohnsteuerfrei (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG) – und zählt damit nicht zum Minijob-Verdienst. Je nach Gestaltung sieht das so aus:

Allgemeine Einordnung nach § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG, § 37b und § 40 EStG sowie § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, 2 und 14 SvEV, Stand Oktober 2026. Keine Steuer- oder Rechtsberatung im Einzelfall – im Zweifel Steuerberater oder Minijob-Zentrale fragen.
GestaltungLohnsteuerSozialversicherungZählt zur Verdienstgrenze?
bKV als Sachbezug, alle Sachbezüge zusammen bis 50 €freikein Arbeitsentgelt (§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SvEV)nein
bKV pauschal nach § 40 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG (jährliche Zahlung)Pauschsteuerkein Arbeitsentgelt (§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SvEV)nein
bKV pauschal nach § 37b EStG30 % pauschalArbeitsentgelt (die Ausnahme in § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 14 SvEV gilt nur für Arbeitnehmer Dritter)ja – Grenze kann überschritten werden
Geldzuschuss zu einer selbst abgeschlossenen PoliceBarlohn (BMF Rn. 18)Arbeitsentgeltja

Ein Rechenbeispiel: Eine Minijobberin verdient 2026 genau 603 € im Monat. Sie erhält zusätzlich eine bKV mit 600-€-Budget für 22,90 € (Allianz MeineGesundheit) und keine weiteren Sachbezüge. Der Sachbezug bleibt steuerfrei und zählt nicht zum Arbeitsentgelt – der Minijob bleibt ein Minijob. Hätten Sie ihr stattdessen 22,90 € mehr Lohn gezahlt, läge sie mit 625,90 € über der Grenze von 2026.

Der 50-€-Topf ist bei Minijobbern besonders wichtig

Weil eine Überschreitung der Freigrenze bei Minijobbern doppelt schadet – Steuer und Verdienstgrenze –, sollten Sie den Topf hier besonders genau im Blick behalten:

  • Alle Sachbezüge zählen zusammen: bKV, Tankkarte, Guthabenkarte und andere Sachbezüge teilen sich die 50 € (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG).
  • Freigrenze, kein Freibetrag: Schon ein Cent über 50 € macht den gesamten Betrag steuerpflichtig.
  • Monatlich zahlen: Ein Jahresbeitrag würde im Zahlungsmonat zufließen und die Freigrenze übersteigen.
  • Keine Gehaltsumwandlung: Die Beitragsfreiheit setzt voraus, dass die Zuwendung zusätzlich zum Lohn gewährt wird (§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SvEV). Finanzieren Sie die bKV deshalb immer zusätzlich.

Ob alles passt, zeigt der 50-Euro-Check in wenigen Sekunden. Wie die bKV in der Lohnabrechnung erfasst wird, erklärt der Ratgeber bKV in der Lohnabrechnung. Allgemeine Regel, keine Steuerberatung im Einzelfall.

Gehören Minijobber in die bKV? Ja – das sagt das Arbeitsrecht

Minijobber sind arbeitsrechtlich Teilzeitbeschäftigte: „Teilzeitbeschäftigt ist auch ein Arbeitnehmer, der eine geringfügige Beschäftigung nach § 8 Abs. 1 Nr. 1 des Vierten Buches Sozialgesetzbuch ausübt“ (§ 2 Abs. 2 TzBfG). Und Teilzeitbeschäftigte dürfen „wegen der Teilzeitarbeit nicht schlechter behandelt werden als ein vergleichbarer vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer, es sei denn, dass sachliche Gründe eine unterschiedliche Behandlung rechtfertigen“ (§ 4 Abs. 1 TzBfG).

Die Muster-Versorgungsordnung der Hallesche (Stand 24.05.2022) enthält dazu einen deutlichen Hinweis: Der Ausschluss von Teilzeitbeschäftigten und geringfügig Beschäftigten sei nach § 4 TzBfG nicht zulässig. Ausgenommen werden können laut demselben Muster etwa Aushilfskräfte, deren Beschäftigung nicht auf Dauer angelegt ist. Wie Sie den Kreis der Begünstigten rechtssicher festlegen, erklärt der Ratgeber bKV und Gleichbehandlung. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Was die bKV für Minijobber kostet

Der bKV-Beitrag gilt pro Kopf – unabhängig davon, ob jemand 40 Stunden oder 8 Stunden pro Woche arbeitet. Für Teams mit vielen Minijob-Kräften lohnt deshalb ein Blick auf die Gesamtkosten:

Eigene Beispielrechnung mit dem Mittel der Budgetpreise von Allianz, LKH und ottonova (300 € Jahresbudget: 13,40 €; 600 €: 21,83 €), abgerufen 18.10.2026. Kein Angebot.
TeamBudgetpro Monatpro Jahr
10 Vollzeit + 6 Minijob300 €214,40 €2.572,80 €
10 Vollzeit + 6 Minijob600 €349,28 €4.191,36 €
5 Vollzeit + 15 Minijob300 €268,00 €3.216,00 €

Für Minijobber ist der Wert besonders hoch: Ein 600-€-Budget entspricht fast einem vollen Monatsverdienst im Jahr – steuer- und beitragsfrei. Ihre eigene Rechnung mit Teamgröße und Budget macht der bKV-Kostenrechner.

So setzen Sie die bKV für Minijobber um

  1. Alle einbeziehen: Minijob-Kräfte in den Kreis der Begünstigten aufnehmen; Ausnahmen nur mit sachlichem Grund.
  2. Budget passend wählen: Beitrag so, dass er mit anderen Sachbezügen höchstens 50 € ergibt – ein 300- oder 600-€-Budget ist dafür ideal.
  3. Monatlich und zusätzlich zahlen: keine Jahreszahlung, keine Gehaltsumwandlung.
  4. Sachbezug korrekt abrechnen: in der Entgeltabrechnung des Monats steuerfrei belassen (§ 1 Abs. 1 Satz 2 SvEV).
  5. Erklären: Minijobber kennen Zusatzleistungen selten – eine kurze Information zum Start macht das Benefit sichtbar.

Diese Punkte bespricht ein spezialisierter bKV-Experte aus unserem Partnernetzwerk mit Ihnen; die steuerliche Prüfung im Einzelfall übernimmt Ihr Steuerberater. Den Überblick über Steuer und Sozialversicherung gibt der Hub bKV und Steuer.

Und Ihre eigene Absicherung als Inhaber?

Gerade in Branchen mit vielen Minijob-Kräften führen Inhaber ihr Unternehmen oft selbst – mit hohem persönlichem Einsatz. Für Ihre eigene Krankenversicherung lohnt deshalb ein Blick auf die PKV: Selbstständige können sich unabhängig vom Einkommen privat versichern, während sie in der freiwilligen GKV auf alle Einnahmen zahlen – 2027 bis rund 1.402,50 € im Monat (kinderlos, mit Krankengeld; eigene Berechnung nach Kabinettsbeschluss vom 07.10.2026). Ihre Optionen beschreibt der Ratgeber bKV für Gesellschafter-Geschäftsführer. Kostenkorridor fürs Team und PKV-Check für Sie zeigt der kostenlose bKV-Angebots-Check in 60 Sekunden.

Häufige Fragen

Zählt die betriebliche Krankenversicherung zur Minijob-Grenze?

Nicht, solange sie als steuerfreier Sachbezug innerhalb der 50-€-Freigrenze bleibt. Lohnsteuerfreie Zuwendungen zusätzlich zum Lohn sind kein Arbeitsentgelt (§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SvEV); die Minijob-Zentrale schreibt: „Steuerfreie Einnahmen zählen in der Sozialversicherung grundsätzlich nicht zum Arbeitsentgelt.“ Voraussetzung ist, dass der Sachbezug in der Entgeltabrechnung des Monats steuerfrei belassen wird.

Wie hoch ist die Minijob-Grenze 2027?

Ab dem 01.01.2027 liegt die Verdienstgrenze bei 633 € im Monat bzw. 7.596 € im Jahr, weil der Mindestlohn auf 14,60 € steigt (Minijob-Zentrale, 07.10.2026). 2026 sind es 603 € im Monat. Die Grenze wird berechnet, indem der Mindestlohn mit 130 multipliziert, durch drei geteilt und auf volle Euro aufgerundet wird (§ 8 Abs. 1a SGB IV).

Dürfen Minijobber von der bKV ausgeschlossen werden?

Nur aus sachlichem Grund. Minijobber gelten als Teilzeitbeschäftigte (§ 2 Abs. 2 TzBfG), und Teilzeitbeschäftigte dürfen wegen der Teilzeit nicht schlechter behandelt werden, es sei denn, sachliche Gründe rechtfertigen das (§ 4 Abs. 1 TzBfG). In der Muster-Versorgungsordnung der Hallesche heißt es, der Ausschluss von Teilzeitbeschäftigten und geringfügig Beschäftigten sei nach § 4 TzBfG nicht zulässig. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

Was passiert, wenn die bKV für Minijobber mehr als 50 € kostet?

Dann entfällt die Sachbezugsfreigrenze für alle Sachbezüge des Monats. Wird der Beitrag nach § 37b EStG pauschal versteuert, ist er sozialversicherungspflichtig und zählt zum Arbeitsentgelt – das kann die Verdienstgrenze überschreiten. Bleiben Sie bei Minijobbern deshalb mit allen Sachbezügen zusammen bei höchstens 50 € im Monat.

Bekommen Minijobber die bKV ohne Gesundheitsprüfung?

Ja, wenn sie zum versicherten Personenkreis Ihres Gruppenvertrags gehören. Die geprüften Anbieter nehmen im Gruppenvertrag ohne Gesundheitsfragen auf, meist ohne Wartezeit (Versichererangaben, Oktober 2026).

Quellen

  1. Minijob-Zentrale: Minijob 2027 – Verdienstgrenze und Mindestlohn steigen – 07.10.2026
  2. Minijob-Zentrale: Was zählt im Minijob zum Verdienst? – 14.10.2026
  3. § 8 SGB IV – Geringfügige Beschäftigung, Geringfügigkeitsgrenze – abgerufen 18.10.2026
  4. § 1 SvEV – kein Arbeitsentgelt – abgerufen 18.10.2026
  5. § 8 EStG – Einnahmen (50-Euro-Freigrenze) – abgerufen 18.10.2026
  6. § 2 TzBfG – Begriff des teilzeitbeschäftigten Arbeitnehmers – abgerufen 18.10.2026
  7. § 4 TzBfG – Verbot der Diskriminierung – abgerufen 18.10.2026
  8. Hallesche: Muster-Versorgungsordnung für die bKV (BGR 412) – Stand 24.05.2022 (Versicherer-Muster)
  9. BMF-Schreiben vom 15.03.2022 (Kopie Hallesche) – Rn. 6 und 18
Redaktion bKV-Kosten.de

Unsere Beiträge stützen sich auf Gesetze, Angaben von Behörden und Verbänden sowie veröffentlichte Unterlagen der Versicherer – jeweils mit Stand. So arbeiten wir.

Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zu der betrieblichen Krankenversicherung (Kosten, Steuer, Sozialversicherung, Einführung) und der Krankenversicherung von Inhabern und Geschäftsführern (Stand: 19. Oktober 2026). Er ersetzt keine individuelle Beratung. Welche Lösung zu Ihnen passt, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab, z. B. Alter, Gesundheit, Einkommen und Familie. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität; Gesetze und Tarife ändern sich. Steuer-, Lohn- und Arbeitsrechtsthemen sind hier nur als allgemeine Regel dargestellt – keine Steuerberatung im Einzelfall; verbindlich entscheiden Finanzamt, Sozialversicherungsträger und Gerichte. Herausgeber: bKV-Kosten.de. bKV-Kosten.de ist kein Versicherungsmakler und bietet keine Versicherungs-, Rechts- oder Steuerberatung an; eine individuelle Beratung erfolgt ausschließlich durch spezialisierte Kooperationspartner mit Erlaubnis nach § 34d GewO.

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