Inhalt (8 Abschnitte)
- Ist die betriebliche Krankenversicherung sozialversicherungspflichtig?
- Die Rechtsgrundlage: § 1 SvEV im Wortlaut
- Sozialversicherung je Steuerweg der bKV
- Die Bedingung „zusätzlich zu Löhnen oder Gehältern“
- Abrechnung im richtigen Monat
- Was die Beitragsfreiheit in Euro bedeutet
- Sonderfälle: Minijob, hohe Gehälter, entgeltfreie Zeiten
- Checkliste: bKV beitragsfrei aufsetzen
- Arbeitsentgelt sind grundsätzlich alle Einnahmen aus einer Beschäftigung (§ 14 SGB IV); Ausnahmen regelt die Sozialversicherungsentgeltverordnung (SvEV).
- Als steuerfreier Sachbezug bis 50 € im Monat ist die bKV kein Arbeitsentgelt, wenn sie zusätzlich zum Lohn gewährt und im jeweiligen Monat lohnsteuerfrei abgerechnet wird (§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Satz 2 SvEV).
- Nach § 40 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG pauschal versteuerte bKV-Beiträge sind ebenfalls beitragsfrei (§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SvEV), nach § 37b EStG pauschal versteuerte dagegen nicht.
- 2026 entfallen bei 50 € beitragsfreier bKV rund 10,58 € Arbeitgeber- und 10,88 € Arbeitnehmeranteil (kinderlos, Zusatzbeitrag 2,9 %), die bei einer gleich hohen Gehaltszahlung anfielen.
- Steuer- und beitragsfreie Sachbezüge zählen beim Minijob nicht zum Verdienst (2026: Grenze 603 € im Monat).
Für die Sozialversicherung gilt bei der betrieblichen Krankenversicherung: Als steuerfreier Sachbezug bis 50 € im Monat ist sie kein Arbeitsentgelt und damit beitragsfrei – vorausgesetzt, sie wird zusätzlich zum Lohn gewährt und im jeweiligen Monat lohnsteuerfrei abgerechnet (§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Satz 2 SvEV). Nach § 40 Abs. 1 EStG pauschalierte Beiträge bleiben ebenfalls beitragsfrei, nach § 37b EStG pauschalierte nicht. Stand: Oktober 2026 – allgemeine Regel, keine Steuerberatung im Einzelfall.
Ist die betriebliche Krankenversicherung sozialversicherungspflichtig?
Der Ausgangspunkt ist streng: Arbeitsentgelt sind „alle laufenden oder einmaligen Einnahmen aus einer Beschäftigung, gleichgültig, ob ein Rechtsanspruch auf die Einnahmen besteht, unter welcher Bezeichnung oder in welcher Form sie geleistet werden“ (§ 14 Abs. 1 SGB IV). Auch ein Sachbezug wie die bKV wäre danach zunächst beitragspflichtig.
Die gute Nachricht: Die Sozialversicherungsentgeltverordnung (SvEV) nimmt bestimmte Zuwendungen ausdrücklich aus. Für die bKV sind drei Nummern entscheidend – und welche greift, hängt vom gewählten Steuerweg ab. Wer die bKV als steuerfreien Sachbezug aufsetzt, spart damit neben der Lohnsteuer auch die Sozialabgaben auf beiden Seiten. Das ist ein wesentlicher Teil des Netto-Vorteils gegenüber einer Gehaltserhöhung.
Die Rechtsgrundlage: § 1 SvEV im Wortlaut
Dem Arbeitsentgelt sind nach § 1 Abs. 1 Satz 1 SvEV unter anderem nicht zuzurechnen:
- Satz 1 Nr. 1: „einmalige Einnahmen, laufende Zulagen, Zuschläge, Zuschüsse sowie ähnliche Einnahmen, die zusätzlich zu Löhnen oder Gehältern gewährt werden, soweit sie lohnsteuerfrei sind“ – das ist die Grundlage für den steuerfreien bKV-Sachbezug.
- Satz 1 Nr. 2: „sonstige Bezüge nach § 40 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes, die nicht einmalig gezahltes Arbeitsentgelt nach § 23a des Vierten Buches Sozialgesetzbuch sind“ – die Grundlage für die beitragsfreie Pauschalierung.
- Satz 1 Nr. 14: Zuwendungen nach § 37b Abs. 1 EStG, soweit sie an Arbeitnehmer eines Dritten erbracht werden – eigene Mitarbeitende fallen nicht darunter.
Dazu kommt eine formale Bedingung: Die Einnahmen nach Satz 1 Nr. 1 und Nr. 2 sind nur dann kein Arbeitsentgelt, soweit sie „mit der Entgeltabrechnung für den jeweiligen Abrechnungszeitraum lohnsteuerfrei belassen oder pauschal besteuert werden“ (§ 1 Abs. 1 Satz 2 SvEV).
Sozialversicherung je Steuerweg der bKV
| Weg | Sozialversicherung | Grundlage |
|---|---|---|
| Steuerfreier Sachbezug bis 50 € im Monat | beitragsfrei | § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Satz 2 SvEV |
| Pauschal nach § 40 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG (jährliche Zahlung) | beitragsfrei | § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SvEV; § 23a Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 SGB IV |
| Pauschal nach § 37b EStG | beitragspflichtig | § 14 SGB IV; Nr. 14 SvEV gilt nur für Dritte |
| Nettolohnversteuerung als Barlohn | beitragspflichtig (hochgerechnet) | § 14 SGB IV |
| Zuschuss zu einer privaten Police des Mitarbeiters | beitragspflichtig (Barlohn) | § 14 SGB IV; BMF Rn. 18 |
Zur Pauschalierung nach § 40: Sonstige Sachbezüge, die monatlich gewährt werden, gelten nicht als einmalig gezahltes Arbeitsentgelt (§ 23a Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 SGB IV). GKV-Spitzenverband, Deutsche Rentenversicherung Bund und Bundesagentur für Arbeit haben bKV-Beiträge in ihrer Besprechung vom 20.11.2019 den nicht als einmalig gezahltes Arbeitsentgelt geltenden sonstigen Sachbezügen zugeordnet – mit der Folge der Beitragsfreiheit (zitiert nach Hallesche, Beratungsblatt 01/2022). Die Details zu beiden Pauschalierungen stehen im Ratgeber bKV über 50 €: Pauschalversteuerung.
Die Bedingung „zusätzlich zu Löhnen oder Gehältern“
Für die Beitragsfreiheit des Sachbezugs reicht die Steuerfreiheit allein nicht. § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SvEV verlangt, dass die Zuwendung zusätzlich zum Lohn gewährt wird. Das Steuerrecht definiert „zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn“ seit 2020 in § 8 Abs. 4 EStG mit vier Merkmalen: Die Leistung wird nicht auf den Lohn angerechnet, der Lohn wird nicht zugunsten der Leistung herabgesetzt, sie ersetzt keine bereits vereinbarte Lohnerhöhung, und bei Wegfall der Leistung steigt der Lohn nicht.
Praktisch heißt das: Eine bKV, die Sie zusätzlich zum bestehenden Gehalt finanzieren, erfüllt die Bedingung. Eine bKV, für die Mitarbeitende auf Gehalt verzichten, nicht. Die Muster-Versorgungsordnung der Hallesche (BGR 412) schließt deshalb aus, dass der Arbeitgeberbeitrag wahlweise über die Gehaltsabrechnung umgewandelt wird. Warum wir das arbeitgeberfinanzierte Modell empfehlen, erklärt der Ratgeber bKV per Entgeltumwandlung.
Abrechnung im richtigen Monat
Die Beitragsfreiheit hängt auch an der Lohnabrechnung: Der Sachbezug muss mit der Entgeltabrechnung des jeweiligen Abrechnungszeitraums lohnsteuerfrei belassen werden (§ 1 Abs. 1 Satz 2 SvEV). Richten Sie deshalb eine eigene Lohnart für den bKV-Sachbezug ein und erfassen Sie ihn jeden Monat – auch wenn sich am Auszahlungsbetrag nichts ändert. Wie das aussieht, zeigt das Beispiel zur bKV in der Lohnabrechnung, den Überblick bietet bKV in der Lohnabrechnung.
Was die Beitragsfreiheit in Euro bedeutet
Die Sozialabgaben 2026 im Überblick: Rentenversicherung 18,6 %, Arbeitslosenversicherung 2,6 %, Krankenversicherung 14,6 % plus durchschnittlicher Zusatzbeitrag 2,9 %, Pflegeversicherung 3,6 % (kinderlos 4,2 %, der Zuschlag trägt der Arbeitnehmer allein). Daraus ergeben sich unterhalb der Beitragsbemessungsgrenzen ein Arbeitgeberanteil von 21,15 % und ein Arbeitnehmeranteil von 21,75 % (kinderlos) bzw. 21,15 % (mit Kind) – ohne Umlagen und ohne die Besonderheit in Sachsen.
| bKV-Beitrag je Monat | AG-Anteil, wenn beitragspflichtig | AN-Anteil (kinderlos), wenn beitragspflichtig | Bei 20 Mitarbeitenden: AG-Anteil im Jahr |
|---|---|---|---|
| 13,90 € (300-€-Budget) | 2,94 € | 3,02 € | 705,60 € |
| 22,90 € (600-€-Budget) | 4,84 € | 4,98 € | 1.161,60 € |
| 50,00 € | 10,58 € | 10,88 € | 2.539,20 € |
Diese Beträge sparen Sie und Ihre Mitarbeitenden, solange die bKV beitragsfrei bleibt. Der Vollständigkeit halber: Auf beitragsfreie Zuwendungen entstehen auch keine Ansprüche in der Renten- oder Arbeitslosenversicherung – bei Beträgen bis 50 € im Monat ist dieser Effekt klein, und Ihre Mitarbeitenden erhalten dafür sofort nutzbaren Versicherungsschutz. Gerade für Teams mit vielen Teilzeit- und Minijob-Kräften ist die Beitragsfreiheit ein starkes Argument, weil der Beitrag pro Kopf gilt und nicht nach Stunden gestaffelt ist.
Hinzu kommt die gesparte Lohnsteuer – den vollen Vergleich mit einer Gehaltserhöhung rechnet der bKV-oder-Gehaltserhöhung-Rechner.
Sonderfälle: Minijob, hohe Gehälter, entgeltfreie Zeiten
- Minijob: Der steuer- und beitragsfreie Sachbezug ist kein Arbeitsentgelt und zählt nicht zur Verdienstgrenze von 603 € im Monat (2026). Wird die bKV dagegen beitragspflichtig behandelt (§ 37b oder Nettolohn), zählt sie als Arbeitsentgelt mit. Mehr unter bKV im Minijob.
- Gehälter über den Bemessungsgrenzen: 2026 liegen sie bei 5.812,50 € (Kranken- und Pflegeversicherung) und 8.450 € (Renten- und Arbeitslosenversicherung) im Monat (Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung 2026). Liegt das Gehalt darüber, löst auch ein beitragspflichtiger bKV-Beitrag im jeweiligen Zweig keine zusätzlichen Beiträge aus.
- Elternzeit, unbezahlter Urlaub, lange Krankheit: Ob der Schutz weiterläuft, regelt die Versorgungsordnung. Im Muster der Hallesche ruht die Zusage in entgeltfreien Zeiten; zahlt der Arbeitgeber trotzdem weiter, sind die steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Folgen im Einzelfall zu prüfen. Siehe bKV in Elternzeit und Mutterschutz.
Checkliste: bKV beitragsfrei aufsetzen
- Gruppenvertrag mit dem Unternehmen als Versicherungsnehmer, Beitrag zahlt der Arbeitgeber.
- Finanzierung zusätzlich zum bestehenden Lohn – keine Gehaltsumwandlung.
- Summe aller Sachbezüge höchstens 50 € im Monat – prüfen mit dem 50-Euro-Check.
- Monatliche Zahlung beim Sachbezug, jährliche bei Pauschalierung nach § 40 Abs. 1 EStG.
- Eigene Lohnart, Erfassung in der Abrechnung des jeweiligen Monats.
- Bei Unsicherheit: Steuerberater, Lohnbüro oder gebührenfreie Anrufungsauskunft beim Betriebsstättenfinanzamt (§ 42e EStG).
Wie das alles zusammenwirkt, zeigt der Hub bKV und Steuer. Welche Budgetstufe sich für Ihr Team rechnet, sehen Sie im kostenlosen bKV-Angebots-Check – ohne Mitarbeiter- und Gesundheitsdaten.
Häufige Fragen
Ist die betriebliche Krankenversicherung sozialversicherungspflichtig?
Als steuerfreier Sachbezug bis 50 € im Monat nicht: Lohnsteuerfreie Zuwendungen, die zusätzlich zu Löhnen oder Gehältern gewährt werden, sind kein Arbeitsentgelt (§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SvEV). Auch bei Pauschalierung nach § 40 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG bleibt sie beitragsfrei. Bei Pauschalierung nach § 37b EStG und bei Versteuerung als Arbeitslohn fallen Beiträge an. Allgemeine Regel, keine Steuerberatung im Einzelfall.
Muss ich als Arbeitgeber für die bKV Sozialabgaben zahlen?
Nicht, solange die bKV als steuerfreier Sachbezug innerhalb der 50-€-Grenze bleibt oder nach § 40 Abs. 1 EStG pauschal versteuert wird. Bei § 37b EStG zahlen Sie den Arbeitgeberanteil auf den Beitrag – 2026 bei Zusatzbeitrag 2,9 % rund 21,15 % unterhalb der Beitragsbemessungsgrenzen.
Zählt die bKV beim Minijob zum Verdienst?
Als steuer- und beitragsfreier Sachbezug nicht, weil sie dann kein Arbeitsentgelt ist (§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SvEV). Wird sie dagegen beitragspflichtig behandelt, etwa nach § 37b EStG, zählt der Beitrag als Arbeitsentgelt – dann sollten Sie die Verdienstgrenze von 603 € im Monat (2026) im Blick behalten.
Warum ist die bKV bei § 37b beitragspflichtig, bei § 40 aber nicht?
Die SvEV stellt nach § 40 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG pauschalierte sonstige Bezüge frei, wenn sie nicht einmalig gezahltes Arbeitsentgelt sind (§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SvEV). Für § 37b gibt es eine Freistellung nur bei Zuwendungen an Arbeitnehmer eines Dritten (§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 14 SvEV) – eigene Mitarbeitende sind davon nicht erfasst.
Ist die bKV bei Entgeltumwandlung beitragsfrei?
Die Beitragsfreiheit nach § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SvEV setzt voraus, dass die Zuwendung zusätzlich zu Löhnen oder Gehältern gewährt wird. Bei einer Finanzierung aus umgewandeltem Gehalt ist diese Voraussetzung nicht erfüllt. Wir empfehlen deshalb das arbeitgeberfinanzierte Modell und für jede Abweichung den Steuerberater.
Quellen
- § 1 SvEV – dem Arbeitsentgelt nicht zuzurechnende Zuwendungen – abgerufen 19.10.2026
- § 14 SGB IV – Arbeitsentgelt – abgerufen 19.10.2026
- § 23a SGB IV – einmalig gezahltes Arbeitsentgelt – abgerufen 19.10.2026
- Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung 2026 (§§ 2, 4: Beitragsbemessungsgrenzen) – abgerufen 19.10.2026
- § 8 EStG – Einnahmen (Abs. 2 Satz 11, Abs. 4) – abgerufen 19.10.2026
- § 37b EStG und § 40 EStG – Pauschalierung – abgerufen 19.10.2026
- Hallesche: Steuerliche Behandlung der bKV (Beratungsblatt BGR 237) – Stand 01/2022; zitiert die Besprechung der Sozialversicherungsträger vom 20.11.2019
- Hallesche: Muster-Versorgungsordnung für die bKV (BGR 412) – Stand 24.05.2022
- Allianz: Betriebliche Krankenversicherung (Budgettarif MeineGesundheit) – Stand Januar 2026, abgerufen 18.10.2026
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zu der betrieblichen Krankenversicherung (Kosten, Steuer, Sozialversicherung, Einführung) und der Krankenversicherung von Inhabern und Geschäftsführern (Stand: 19. Oktober 2026). Er ersetzt keine individuelle Beratung. Welche Lösung zu Ihnen passt, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab, z. B. Alter, Gesundheit, Einkommen und Familie. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität; Gesetze und Tarife ändern sich. Steuer-, Lohn- und Arbeitsrechtsthemen sind hier nur als allgemeine Regel dargestellt – keine Steuerberatung im Einzelfall; verbindlich entscheiden Finanzamt, Sozialversicherungsträger und Gerichte. Herausgeber: bKV-Kosten.de. bKV-Kosten.de ist kein Versicherungsmakler und bietet keine Versicherungs-, Rechts- oder Steuerberatung an; eine individuelle Beratung erfolgt ausschließlich durch spezialisierte Kooperationspartner mit Erlaubnis nach § 34d GewO.