Ratgeber

Betriebliche Krankenversicherung kündigen oder privat fortführen

Die bKV ist an das Arbeitsverhältnis gebunden – und doch ist der Schutz beim Jobwechsel nicht einfach verloren. Viele Anbieter erlauben die private Fortführung ohne neue Gesundheitsprüfung. Und auch wenn Sie als Arbeitgeber den Gruppenvertrag kündigen, schützt das Gesetz Ihre Beschäftigten. Hier steht, was in welchem Fall gilt.

Redaktion bKV-Kosten.de Aktualisiert am 19. Oktober 2026 5 Min. Lesezeit
Inhalt (7 Abschnitte)
  1. Jobwechsel: was mit der betrieblichen Krankenversicherung passiert
  2. Die bKV privat weiterführen: Fristen und Bedingungen
  3. Können Mitarbeitende die bKV während der Beschäftigung kündigen?
  4. Wenn Sie als Arbeitgeber den Gruppenvertrag kündigen
  5. Kündigungsfälle im Überblick
  6. Was Sie bei der Einführung schon für später regeln sollten
  7. Jobwechsel und die eigene Krankenversicherung
Das Wichtigste in Kürze
  • Mitarbeitende müssen die bKV nicht kündigen: Mit dem Ende der Betriebszugehörigkeit endet auch die Mitgliedschaft im Gruppenvertrag (SIGNAL IDUNA).
  • Die private Fortführung ohne Gesundheitsprüfung bieten unter anderem Allianz, R+V (auch bei Renteneintritt) und SIGNAL IDUNA (Antrag binnen zwei Monaten) an – mit eigenen Beiträgen nach dem Einzeltarif (Versichererangaben, Oktober 2026).
  • Kündigen kann den Gruppenvertrag nur der Arbeitgeber als Versicherungsnehmer; bei Verträgen mit mehr als einem Jahr Laufzeit zum Ende jedes Versicherungsjahres mit drei Monaten Frist (§ 205 Abs. 1 VVG), soweit keine Mindestlaufzeit vereinbart ist.
  • Kündigt der Arbeitgeber den Gruppenvertrag, ist die Kündigung nur wirksam, wenn die versicherte Person davon erfahren hat; ohne neuen Versicherungsnehmer dürfen die Versicherten zu den Bedingungen der Einzelversicherung fortsetzen (§ 207 Abs. 2 VVG).
  • Geld statt bKV kann ein Mitarbeiter nicht verlangen – sonst wäre der Schutz kein steuerfreier Sachbezug mehr (BMF-Schreiben vom 15.03.2022, Rn. 5).

Eine betriebliche Krankenversicherung müssen Mitarbeitende nicht kündigen: Der Schutz im Gruppenvertrag endet automatisch mit dem Arbeitsverhältnis. Viele Anbieter erlauben danach die private Fortführung ohne Gesundheitsprüfung – SIGNAL IDUNA binnen zwei Monaten. Kündigt der Arbeitgeber den Gruppenvertrag, dürfen die Versicherten ihn nach § 207 Abs. 2 VVG als Einzelversicherung fortsetzen, wenn kein neuer Versicherungsnehmer benannt wird (Stand Oktober 2026).

Jobwechsel: was mit der betrieblichen Krankenversicherung passiert

In der bKV ist Ihr Unternehmen Versicherungsnehmer, Ihre Mitarbeitenden sind versicherte Personen. Deshalb hängt der Schutz am Arbeitsverhältnis: „Mit dem Ende der Betriebszugehörigkeit endet auch die Mitgliedschaft in der bKV“, schreibt SIGNAL IDUNA. Auch die Muster-Versorgungsordnung der Hallesche regelt: Mit Beendigung des Arbeitsverhältnisses endet das Leistungsversprechen des Arbeitgebers.

Für Ihre Beschäftigten heißt das: Sie müssen nichts kündigen und keine Frist beachten, damit der Gruppenschutz endet. Sie sollten aber eine andere Frist kennen – die für die private Fortführung. Denn wer den Schutz behalten möchte, kann das bei vielen Anbietern tun, ohne erneut Gesundheitsfragen zu beantworten.

Die bKV privat weiterführen: Fristen und Bedingungen

Private Fortführung nach dem Ausscheiden laut Versicherer-Websites, abgerufen 18. und 19.10.2026; Hallesche laut Muster-Versorgungsordnung (Stand 24.05.2022). Bedingungen je nach Gruppenvertrag.
AnbieterFortführung laut AnbieterFristBeitrag
SIGNAL IDUNAVersicherungsschutz mit eigenen Beiträgen fortführeninnerhalb von zwei Monaten nach dem Ausscheideneigene Beiträge
Allianz„auf eigene Kosten privat weiterführen“, „ganz ohne Gesundheitsprüfung“nicht angegebeneigene Kosten
R+VWeiterführung ohne Gesundheitsprüfung nach dem Ausscheiden und bei Renteneintrittnicht angegebennicht angegeben
Hallesche (Muster)Fortführung als Einzelversicherung, sofern ein passender Tarif bestehtinnerhalb von zwei Monaten nach dem AusscheidenBeitrag der Einzelversicherung

Auch bei betrieblichen Pflegeversicherungen ist die private Fortführung verbreitet: Scheidet jemand aus, „wird er abgemeldet, hat aber die Option, die Police privat auf eigene Kosten weiterzuführen“ (Deutsche Handwerks Zeitung, 30.03.2022). Wichtig für alle Fälle: Nach dem Wechsel in den Einzelvertrag gilt der Beitrag des Einzeltarifs – er kann vom bisherigen Gruppenbeitrag abweichen. Die Hallesche weist in ihrem Muster ausdrücklich darauf hin, dass bei Fristversäumnis der Anspruch auf private Fortführung dauerhaft erlischt.

Tipp für Ihr OffboardingGeben Sie ausscheidenden Mitarbeitenden ein kurzes Informationsblatt mit: Versicherer, Vertragsnummer, Frist für die Fortführung und Kontakt. Das kostet Sie nichts und rundet die bKV als faires Benefit ab.

Können Mitarbeitende die bKV während der Beschäftigung kündigen?

Kündigen kann einen Versicherungsvertrag nur der Versicherungsnehmer (§ 205 Abs. 1 VVG) – bei der bKV also Ihr Unternehmen. Was Beschäftigte stattdessen tun können, regelt die Versorgungsordnung. In der Muster-Versorgungsordnung der Hallesche gilt die Zusage als angenommen, wenn der Mitarbeiter nicht binnen zwei Monaten ausdrücklich widerspricht; wer nicht teilnehmen möchte, gibt eine Verzichtserklärung ab. Eine Auszahlung der Beiträge als Lohn ist dort ausgeschlossen.

Das hat einen steuerlichen Grund: Ein Sachbezug liegt nicht vor, wenn der Arbeitnehmer anstelle der Sache auch eine Geldleistung verlangen kann (BMF-Schreiben vom 15.03.2022, Rn. 5). Ein Wahlrecht „bKV oder Geld“ würde die Steuer- und Beitragsfreiheit gefährden – für alle. Mehr dazu im Ratgeber Ist die bKV Pflicht? Annehmen, ablehnen, widersprechen. Allgemeine Regel, keine Steuerberatung im Einzelfall.

Wenn Sie als Arbeitgeber den Gruppenvertrag kündigen

Manchmal wollen Arbeitgeber den Anbieter wechseln – etwa nach einer Beitragserhöhung – oder die bKV beenden. Dafür gelten die Regeln des Versicherungsvertragsgesetzes und Ihres Vertrags:

  • Kündigungsfrist: Ein Krankenversicherungsvertrag, der für mehr als ein Jahr geschlossen ist, kann zum Ende des ersten oder jedes folgenden Jahres mit drei Monaten Frist gekündigt werden, auch beschränkt auf einzelne Personen oder Tarife (§ 205 Abs. 1 VVG). Vertraglich vereinbarte Mindestlaufzeiten gehen vor – prüfen Sie Ihren Vertrag.
  • Information der Beschäftigten: Die Kündigung „ist nur wirksam, wenn die versicherte Person von der Kündigungserklärung Kenntnis erlangt hat“ (§ 207 Abs. 2 Satz 2 VVG). Informieren Sie Ihr Team deshalb schriftlich.
  • Fortsetzungsrecht: Wird bei einem gekündigten Gruppenvertrag kein neuer Versicherungsnehmer benannt, dürfen die Versicherten das Versicherungsverhältnis „unter Anrechnung der aus dem Vertrag erworbenen Rechte … zu den Bedingungen der Einzelversicherung fortsetzen“ (§ 207 Abs. 2 Satz 3 VVG).
  • Arbeitsrecht: Ob Sie eine freiwillige Leistung beenden oder ändern dürfen, hängt von Ihrer Versorgungsordnung ab. Die Hallesche empfiehlt in ihrem Muster einen Freiwilligkeitsvorbehalt und die Begrenzung auf die Dauer des Gruppenvertrags. Gibt es einen Betriebsrat, hat er bei der Verteilung betrieblicher Leistungen mitzubestimmen (§ 87 Abs. 1 Nr. 10 BetrVG). Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

Beim Anbieterwechsel ist ein lückenloser Übergang wichtig: neuer Vertrag ab dem Tag nach Vertragsende, wieder ohne Gesundheitsprüfung im Gruppenvertrag. Welche Alternativen es bei steigenden Beiträgen gibt, erklärt der Ratgeber bKV-Beitragserhöhung; die Mitbestimmung vertieft bKV und Betriebsrat.

Kündigungsfälle im Überblick

Allgemeine Übersicht nach §§ 205, 207 VVG, BMF-Schreiben vom 15.03.2022 und Versichererangaben, Stand Oktober 2026. Keine Rechtsberatung – maßgeblich sind Gruppenvertrag und Versorgungsordnung.
FallWas passiertWas Beschäftigte tun können
Mitarbeiter kündigt oder wird gekündigtGruppenschutz endet mit dem Arbeitsverhältnisprivate Fortführung beantragen, Frist beachten (oft zwei Monate)
RenteneintrittGruppenschutz endet in der RegelFortführung, z. B. bei R+V ohne Gesundheitsprüfung
Arbeitgeber kündigt den GruppenvertragKündigung nur wirksam nach Kenntnis der VersichertenFortsetzung zu den Bedingungen der Einzelversicherung (§ 207 Abs. 2 VVG)
Mitarbeiter möchte nicht teilnehmenje nach Versorgungsordnung Widerspruch oder Verzichtkein Anspruch auf Auszahlung in Geld

Was beim Übergang in den Ruhestand gilt, beschreibt der Ratgeber bKV bei Renteneintritt.

Was Sie bei der Einführung schon für später regeln sollten

Die beste Zeit, um Kündigung und Fortführung zu regeln, ist die Einführung. Achten Sie im Angebotsvergleich auf diese Punkte:

  • Fortführung ohne Gesundheitsprüfung: Ist sie vorgesehen, mit welcher Frist und in welchen Tarif?
  • Angehörige: Können mitversicherte Familienmitglieder in die Fortführung mitgenommen werden?
  • Vertragslaufzeit: Gibt es eine Mindestlaufzeit, und wie lange sind die Beiträge stabil? Die LKH etwa nennt stabile Beiträge bis 2028.
  • Versorgungsordnung: Freiwilligkeitsvorbehalt, Ende bei Austritt, Regel für entgeltfreie Zeiten.

Diese Punkte vergleicht ein spezialisierter bKV-Experte aus unserem Partnernetzwerk für Sie bei mehreren Versicherern. Den Überblick über die bKV insgesamt gibt der Pillar-Artikel Betriebliche Krankenversicherung.

Jobwechsel und die eigene Krankenversicherung

Ein Jobwechsel ist für privat versicherte Beschäftigte auch ein Anlass, die Vollversicherung zu prüfen – etwa wenn sich das Gehalt ändert. Was dabei zu beachten ist, erklärt der Ratgeber zur privaten Krankenversicherung beim Jobwechsel. Für Sie als Inhaber gilt: Ihre eigene Absicherung hängt nicht an einem Gruppenvertrag. In der privaten Krankenversicherung sind die Leistungen vertraglich zugesichert, und der Versicherer kann die Krankheitskosten-Vollversicherung nicht ordentlich kündigen (§ 206 Abs. 1 VVG). Ihre Optionen beschreibt der Ratgeber bKV für Gesellschafter-Geschäftsführer; Kostenkorridor fürs Team und PKV-Check zeigt der kostenlose bKV-Angebots-Check.

Häufige Fragen

Was passiert mit der betrieblichen Krankenversicherung, wenn Mitarbeitende kündigen?

Der Schutz im Gruppenvertrag endet mit dem Arbeitsverhältnis – SIGNAL IDUNA formuliert: „Mit dem Ende der Betriebszugehörigkeit endet auch die Mitgliedschaft in der bKV.“ Eine eigene Kündigung ist nicht nötig. Viele Anbieter bieten danach die private Fortführung ohne Gesundheitsprüfung an.

Kann man die betriebliche Krankenversicherung privat weiterführen?

Bei vielen Anbietern ja, auf eigene Kosten und ohne neue Gesundheitsprüfung: etwa bei Allianz, bei R+V auch bei Renteneintritt, bei SIGNAL IDUNA innerhalb von zwei Monaten nach dem Ausscheiden (Versichererangaben, Oktober 2026). Die Muster-Versorgungsordnung der Hallesche nennt ebenfalls zwei Monate und eine Fortführung in einem passenden Einzeltarif.

Wie kann der Arbeitgeber die betriebliche Krankenversicherung kündigen?

Als Versicherungsnehmer kann der Arbeitgeber einen Krankenversicherungsvertrag, der für mehr als ein Jahr geschlossen ist, zum Ende jedes Versicherungsjahres mit drei Monaten Frist kündigen, auch beschränkt auf einzelne Personen oder Tarife (§ 205 Abs. 1 VVG); vertragliche Mindestlaufzeiten gehen vor. Die Kündigung wird erst wirksam, wenn die versicherten Personen davon erfahren haben (§ 207 Abs. 2 VVG). Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

Was kostet die Fortführung der bKV nach dem Jobwechsel?

Nach dem Ausscheiden zahlt die versicherte Person selbst, und zwar den Beitrag des Einzeltarifs, nicht mehr den Gruppenbeitrag. Die Hallesche schreibt in ihrem Muster, dass mit der Umstellung auf den Einzelvertrag auch eine Anpassung auf den für die Einzelversicherung maßgeblichen Beitrag erfolgt. Die genaue Höhe nennt der Versicherer.

Kann ein Mitarbeiter statt der bKV Geld verlangen?

Nein, und das ist wichtig für die Steuerfreiheit: Ein Sachbezug liegt nicht vor, wenn der Arbeitnehmer anstelle der Sache auch eine Geldleistung verlangen kann (BMF-Schreiben vom 15.03.2022, Rn. 5). Auch die Muster-Versorgungsordnung der Hallesche schließt eine Auszahlung der Beiträge als Lohn ausdrücklich aus.

Quellen

  1. SIGNAL IDUNA: Betriebliche Krankenversicherung (Fortführung) – abgerufen 18.10.2026
  2. Allianz: Betriebliche Krankenversicherung (Ausscheiden) – abgerufen 18.10.2026
  3. R+V: Betriebliche Krankenversicherung (Weiterführung) – abgerufen 19.10.2026
  4. Hallesche: Muster-Versorgungsordnung für die bKV (BGR 412) – Stand 24.05.2022 (Versicherer-Muster)
  5. § 205 VVG – Kündigung des Versicherungsnehmers – abgerufen 18.10.2026
  6. § 207 VVG – Fortsetzung des Versicherungsverhältnisses – abgerufen 18.10.2026
  7. BMF-Schreiben vom 15.03.2022 (Kopie Hallesche) – Rn. 5 und 6
  8. Deutsche Handwerks Zeitung: Betriebliche Pflegezusatzversicherung – 30.03.2022 (Fachpresse)
  9. § 87 BetrVG – Mitbestimmungsrechte – abgerufen 18.10.2026
Redaktion bKV-Kosten.de

Unsere Beiträge stützen sich auf Gesetze, Angaben von Behörden und Verbänden sowie veröffentlichte Unterlagen der Versicherer – jeweils mit Stand. So arbeiten wir.

Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zu der betrieblichen Krankenversicherung (Kosten, Steuer, Sozialversicherung, Einführung) und der Krankenversicherung von Inhabern und Geschäftsführern (Stand: 19. Oktober 2026). Er ersetzt keine individuelle Beratung. Welche Lösung zu Ihnen passt, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab, z. B. Alter, Gesundheit, Einkommen und Familie. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität; Gesetze und Tarife ändern sich. Steuer-, Lohn- und Arbeitsrechtsthemen sind hier nur als allgemeine Regel dargestellt – keine Steuerberatung im Einzelfall; verbindlich entscheiden Finanzamt, Sozialversicherungsträger und Gerichte. Herausgeber: bKV-Kosten.de. bKV-Kosten.de ist kein Versicherungsmakler und bietet keine Versicherungs-, Rechts- oder Steuerberatung an; eine individuelle Beratung erfolgt ausschließlich durch spezialisierte Kooperationspartner mit Erlaubnis nach § 34d GewO.

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