Inhalt (8 Abschnitte)
- Warum der Gruppenvertrag ohne Gesundheitsprüfung auskommt
- Gruppenvertrag oder Einzelvertrag: der Unterschied
- So läuft die Aufnahme im Gruppenvertrag ab
- Welche Anbieter im Gruppenvertrag auf Gesundheitsprüfung und Wartezeit verzichten
- Was der Verzicht auf die Gesundheitsprüfung für Sie als Arbeitgeber bedeutet
- Wo die Grenzen liegen – und wie Sie sie lösen
- Kosten und Steuer im Gruppenvertrag
- Die Sicht Ihrer Mitarbeitenden – und Ihre eigene
- Im Gruppenvertrag der bKV verzichten die geprüften Anbieter auf die Gesundheitsprüfung: SIGNAL IDUNA ab 3, Allianz, LKH, ottonova und R+V ab 5, ARAG und Continentale ab 10 Mitarbeitenden (Versichererangaben, abgerufen 18.10.2026).
- Wartezeiten entfallen bei den meisten Anbietern; Allianz und LKH leisten nach eigenen Angaben auch für laufende und angeratene Behandlungen, R+V für Unternehmen ab 10 Mitarbeitenden.
- Bei privat abgeschlossenen Zusatzversicherungen sind Gesundheitsfragen üblich (§ 19 VVG) und Wartezeiten von drei, acht Monaten oder in der Pflege drei Jahren zulässig (§ 197 VVG).
- Sie als Arbeitgeber erfahren keine Gesundheitsdaten: Ihre Mitarbeitenden reichen Rechnungen direkt beim Versicherer ein.
- Wer das Unternehmen verlässt, kann den Schutz bei vielen Anbietern ohne neue Gesundheitsprüfung privat fortführen – bei SIGNAL IDUNA binnen zwei Monaten.
Im Gruppenvertrag ohne Gesundheitsprüfung nimmt die betriebliche Krankenversicherung alle berechtigten Mitarbeitenden zu denselben Bedingungen auf – Gesundheitsfragen stellt der Versicherer nicht. SIGNAL IDUNA bietet das ab 3, Allianz, LKH, ottonova und R+V ab 5, ARAG und Continentale ab 10 Mitarbeitenden an, meist auch ohne Wartezeit (Versichererangaben, Stand Oktober 2026).
Warum der Gruppenvertrag ohne Gesundheitsprüfung auskommt
Bei der bKV versichert der Versicherer nicht eine einzelne Person, die sich bewusst für einen Tarif entscheidet, sondern eine Belegschaft nach festen Regeln. Ihr Unternehmen schließt als Versicherungsnehmer einen Gruppenvertrag ab und legt fest, wer dazugehört – in der Regel in einer Versorgungsordnung. Die Hallesche formuliert es in ihrer Muster-Versorgungsordnung so: Die Aufnahme erfolgt zum Monatsersten nach Ende der Probezeit, „ein Antrag des Mitarbeiters ist nicht erforderlich. Eine Gesundheitsprüfung findet nicht statt“ (Stand 24.05.2022).
Damit das für den Versicherer kalkulierbar bleibt, gibt es Mindestgrößen und klare Aufnahmeregeln. Für Ihr Team ist das ein enormer Vorteil: Niemand wird abgelehnt, niemand zahlt einen Risikozuschlag, und bei einigen Anbietern sind sogar laufende Behandlungen mitversichert. SIGNAL IDUNA bringt es auf den Punkt: Anders als bei der privaten Krankenzusatzversicherung gibt es bei der arbeitgeberfinanzierten bKV „keine Hürden für die Aufnahme. Mitarbeitende müssen keine Gesundheitsprüfung absolvieren.“
Gruppenvertrag oder Einzelvertrag: der Unterschied
Wer privat eine Zusatzversicherung abschließt, muss alle ihm bekannten Gefahrumstände anzeigen, nach denen der Versicherer in Textform fragt (§ 19 Abs. 1 VVG) – in der Krankenversicherung sind das in aller Regel Gesundheitsfragen. Zusätzlich darf der Versicherer Wartezeiten vereinbaren (§ 197 Abs. 1 VVG). Im bKV-Gruppenvertrag entfällt beides bei den geprüften Anbietern:
| Merkmal | Private Zusatzversicherung (Einzelvertrag) | bKV im Gruppenvertrag |
|---|---|---|
| Gesundheitsfragen | üblich, Anzeigepflicht nach § 19 VVG | keine |
| Allgemeine Wartezeit | bis 3 Monate zulässig | bei den meisten Anbietern keine |
| Zahnersatz, Psychotherapie, Entbindung | Wartezeit bis 8 Monate zulässig | bei den meisten Anbietern keine |
| Pflegezusatzversicherung | Wartezeit bis 3 Jahre zulässig | Gruppenverträge meist ohne Gesundheitsprüfung (z. B. CareFlex Chemie) |
| Laufende Behandlungen | abhängig von Gesundheitsangaben und Bedingungen | Allianz und LKH: mitversichert |
| Beitrag | meist nach Eintrittsalter gestaffelt | einheitlich je Mitarbeiter laut veröffentlichten Preisen |
| Wer zahlt | die versicherte Person | der Arbeitgeber |
Wie stark das Eintrittsalter im Einzelvertrag zählt, zeigt ein Beispiel von Stiftung Warentest: Der günstigste „sehr gute“ Zweibettzimmer-Tarif kostete eine 32-jährige Modellkundin 31 €, eine 52-jährige 49 € im Monat (Finanztest 4/2026, Beiträge Stand 01.01.2026). Im Gruppenvertrag zahlen Sie für beide denselben Beitrag.
So läuft die Aufnahme im Gruppenvertrag ab
Versorgungsordnung festlegen
Sie bestimmen, wer die bKV erhält und ab wann – zum Beispiel alle Beschäftigten nach der Probezeit. Gesundheit spielt dabei keine Rolle.
Gruppenvertrag schließen
Ihr Unternehmen wird Versicherungsnehmer. Ein spezialisierter Experte vergleicht vorher die Angebote mehrerer Versicherer.
Team anmelden
Sie melden die berechtigten Mitarbeitenden mit wenigen Stammdaten an – ohne Fragebogen und ohne Einzelanträge.
Schutz beginnt
Ab dem vereinbarten Datum gilt der Schutz, bei den meisten Anbietern ohne Wartezeit. Rechnungen gehen direkt an den Versicherer.
Welche Anbieter im Gruppenvertrag auf Gesundheitsprüfung und Wartezeit verzichten
Wir haben die Websites der großen bKV-Anbieter am 18.10.2026 ausgewertet. Alle verzichten im Gruppenvertrag auf die Gesundheitsprüfung; Unterschiede gibt es bei Mindestgröße und Wartezeit:
| Versicherer | ab Mitarbeitenden | Gesundheitsprüfung | Wartezeit / laufende Behandlungen |
|---|---|---|---|
| SIGNAL IDUNA | 3 | keine | KlinikPrivat+ und ZahnPerfekt+ erst ab 20 Mitarbeitenden |
| Allianz | 5 | keine | „Wir leisten sogar für laufende und angeratene Behandlungen“ |
| LKH | 5 | keine | „auch für angeratene und laufende Behandlungen, keine Wartezeiten“ |
| ottonova | 5 | keine | keine Wartezeit |
| R+V | 5 | „grundsätzlich keine Gesundheitsfragen“ | keine Wartezeiten; ab 10 Mitarbeitenden auch laufende Behandlungen eingeschlossen |
| ARAG (BudgetFlex) | 10 | keine | – |
| Continentale | 10 | keine | „ohne Gesundheitsprüfung und Wartezeiten“ |
Für sehr kleine Betriebe ist die Mindestgröße der entscheidende Punkt. Welche Wege es unterhalb von drei bis fünf Mitarbeitenden gibt, erklärt der Ratgeber bKV ab wie vielen Mitarbeitern.
Was der Verzicht auf die Gesundheitsprüfung für Sie als Arbeitgeber bedeutet
Ein Benefit für alle
Jede und jeder im Team erhält denselben Schutz – unabhängig von Alter und Vorgeschichte. Das macht die bKV fair und leicht zu kommunizieren.
Keine Gesundheitsdaten im Betrieb
Sie melden nur an und zahlen. Rechnungen gehen direkt an den Versicherer – Sie erfahren nichts über Diagnosen oder Behandlungen.
Starkes Recruiting-Argument
„Privater Zusatzschutz ohne Gesundheitsfragen“ ist ein Satz, der in jeder Stellenanzeige wirkt – gerade für erfahrene Fachkräfte.
Wenig Aufwand
Kein Fragebogen, keine Einzelanträge, keine Ablehnungen. Bei vielen Anbietern läuft die Anmeldung digital.
Wichtig für die Gestaltung: Damit niemand benachteiligt wird, beziehen Sie grundsätzlich alle vergleichbaren Beschäftigten ein – Teilzeit- und Minijob-Kräfte dürfen nur aus sachlichem Grund ausgenommen werden (§ 4 Abs. 1 TzBfG). Mehr dazu im Ratgeber bKV und Gleichbehandlung. Wie die bKV insgesamt funktioniert, steht im Pillar-Artikel Betriebliche Krankenversicherung.
Wo die Grenzen liegen – und wie Sie sie lösen
- Mindestgröße: Unter drei Mitarbeitenden gibt es bei den geprüften Anbietern keinen Gruppenvertrag. Lösung: Ein spezialisierter bKV-Experte prüft Alternativen, oder Sie starten, sobald das Team wächst.
- Angehörige: Für Partner und Kinder gelten eigene Regeln – bei der Allianz ohne Gesundheitsprüfung innerhalb von zwölf Monaten, bei anderen teils mit vereinfachter Prüfung. Details unter bKV für Familienangehörige.
- Späterer Einstieg: Wer der bKV zunächst widerspricht, kann laut Hallesche-Muster nur dann später nachversichert werden, wenn der Gruppenvertrag das vorsieht. Lösung: Fristen in der Versorgungsordnung klar kommunizieren.
- Nach dem Ausscheiden: Der Gruppenschutz endet mit dem Arbeitsverhältnis; die private Fortführung ohne Gesundheitsprüfung ist bei vielen Anbietern möglich, aber zu eigenen Beiträgen und mit Fristen. Mehr unter bKV kündigen oder fortführen.
- Vollversicherung: Die bKV ist eine Zusatzversicherung. Für die private Vollversicherung gibt es PKV-Gruppenverträge mit eigenen Annahmeregeln, etwa bei der ARAG ab 20 Personen – siehe PKV-Gruppenvertrag.
Kosten und Steuer im Gruppenvertrag
Die veröffentlichten Preise gelten für das ganze Team, ohne Gesundheitsprüfung: Budgettarife kosten je Mitarbeiter und Monat 12,50 bis 13,90 € bei 300 € Jahresbudget bis 33,50 bis 49,90 € bei 1.500 € (Allianz, LKH, ottonova; abgerufen 18.10.2026). ottonova nennt den Beitrag ausdrücklich altersunabhängig. Schließt Ihr Unternehmen den Vertrag ab und zahlt die Beiträge, ist der Schutz Sachbezug (BMF-Schreiben vom 15.03.2022, Rn. 6) und bleibt bis insgesamt 50 € im Monat steuer- und beitragsfrei (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG, § 1 SvEV) – allgemeine Regel, keine Steuerberatung im Einzelfall. Ihr Team rechnet der bKV-Kostenrechner durch.
Die Sicht Ihrer Mitarbeitenden – und Ihre eigene
Für Beschäftigte, die privat wegen ihrer Gesundheit schwer oder gar nicht versicherbar sind, ist die bKV oft die einfachste Möglichkeit, Zusatzschutz zu bekommen. Wie das aus ihrer Perspektive aussieht, beschreibt der Ratgeber zur bKV aus Sicht von Beschäftigten mit Vorerkrankung. Für die Beratung Ihres Teams gilt: Gesundheitsangaben gehören nicht in Ihr Unternehmen – auch unser Check fragt danach nicht.
Und für Sie selbst als Inhaber? Wenn Sie über die private Krankenversicherung nachdenken, ist die Gesundheitsprüfung ein lösbarer Prüfpunkt: Eine anonyme Risikovoranfrage durch einen spezialisierten Partner-Experten zeigt vorab, zu welchen Bedingungen ein Versicherer Sie annimmt – ohne dass ein Antrag gespeichert wird. Ihre Optionen beschreibt der Ratgeber bKV für Gesellschafter-Geschäftsführer. Ihren Kostenkorridor fürs Team zeigt der kostenlose bKV-Angebots-Check in 60 Sekunden.
Häufige Fragen
Gibt es die betriebliche Krankenversicherung wirklich ohne Gesundheitsprüfung?
Ja, bei den geprüften Anbietern im Gruppenvertrag: SIGNAL IDUNA, Allianz, LKH, ottonova, R+V, ARAG und Continentale nehmen die Beschäftigten ohne Gesundheitsfragen auf (Versichererangaben, abgerufen 18.10.2026). SIGNAL IDUNA schreibt: Mitarbeitende „müssen keine Gesundheitsprüfung absolvieren“. Voraussetzung ist die jeweilige Mindestgröße des Unternehmens.
Gibt es bei der bKV Wartezeiten?
Bei den meisten Anbietern nicht: LKH, ottonova, R+V und Continentale nennen ausdrücklich „keine Wartezeiten“, die Allianz leistet sogar für laufende und angeratene Behandlungen (abgerufen 18.10.2026). Bei Einzelverträgen dürfen Versicherer dagegen allgemeine Wartezeiten von drei Monaten und für Zahnersatz, Psychotherapie und Entbindung von acht Monaten vereinbaren (§ 197 Abs. 1 VVG).
Ab wie vielen Mitarbeitern gibt es einen Gruppenvertrag ohne Gesundheitsprüfung?
Je nach Versicherer ab 3 (SIGNAL IDUNA), 5 (Allianz, LKH, ottonova, R+V) oder 10 Mitarbeitenden (ARAG BudgetFlex, Continentale); einzelne Bausteine wie KlinikPrivat+ und ZahnPerfekt+ von SIGNAL IDUNA erst ab 20 (Stand Oktober 2026). Für ein bis zwei Mitarbeitende sind Gruppenverträge die Ausnahme.
Erfährt der Arbeitgeber Gesundheitsdaten seiner Mitarbeitenden?
Nein. Für die Aufnahme braucht der Versicherer keine Gesundheitsangaben, und Rechnungen reichen die Mitarbeitenden direkt beim Versicherer ein. Sie als Arbeitgeber melden nur an, zahlen den Beitrag und erfassen ihn in der Lohnabrechnung.
Gilt der Verzicht auf die Gesundheitsprüfung auch für Angehörige?
Das regelt jeder Anbieter selbst. Bei der Allianz können Familienangehörige innerhalb von zwölf Monaten ohne Gesundheitsprüfung versichert werden; bei Pflegezusatz-Gruppenverträgen ist für Angehörige oft eine vereinfachte Gesundheitsprüfung üblich. Den Beitrag für Angehörige zahlt in der Regel die oder der Beschäftigte selbst.
Was passiert mit dem Schutz, wenn Mitarbeitende das Unternehmen verlassen?
Der Gruppenschutz endet mit dem Arbeitsverhältnis. Viele Anbieter erlauben aber die private Fortführung ohne neue Gesundheitsprüfung, auf eigene Kosten – Allianz und R+V, letztere auch bei Renteneintritt; bei SIGNAL IDUNA muss das innerhalb von zwei Monaten nach dem Ausscheiden geschehen (Versichererangaben, Oktober 2026).
Quellen
- SIGNAL IDUNA: Betriebliche Krankenversicherung – abgerufen 18.10.2026
- Allianz: Betriebliche Krankenversicherung – abgerufen 18.10.2026
- LKH: LKH-TeamUpgrade – abgerufen 18.10.2026
- ottonova: CrewCare für Arbeitgeber – abgerufen 18.10.2026
- R+V: Betriebliche Krankenversicherung – abgerufen 18.10.2026
- Continentale: Betriebliche Krankenversicherung – abgerufen 18.10.2026
- ARAG: Betriebliche Krankenversicherung (BudgetFlex) – abgerufen 18.10.2026
- Stiftung Warentest: Krankenhauszusatzversicherung im Vergleich (Finanztest 4/2026) – 16.03.2026
- § 19 VVG – Anzeigepflicht – abgerufen 18.10.2026
- § 197 VVG – Wartezeiten – abgerufen 18.10.2026
- Hallesche: Muster-Versorgungsordnung für die bKV (BGR 412) – Stand 24.05.2022 (Versicherer-Muster)
- PKV-Verband: Betriebliche Krankenversicherung – abgerufen 18.10.2026
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zu der betrieblichen Krankenversicherung (Kosten, Steuer, Sozialversicherung, Einführung) und der Krankenversicherung von Inhabern und Geschäftsführern (Stand: 19. Oktober 2026). Er ersetzt keine individuelle Beratung. Welche Lösung zu Ihnen passt, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab, z. B. Alter, Gesundheit, Einkommen und Familie. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität; Gesetze und Tarife ändern sich. Steuer-, Lohn- und Arbeitsrechtsthemen sind hier nur als allgemeine Regel dargestellt – keine Steuerberatung im Einzelfall; verbindlich entscheiden Finanzamt, Sozialversicherungsträger und Gerichte. Herausgeber: bKV-Kosten.de. bKV-Kosten.de ist kein Versicherungsmakler und bietet keine Versicherungs-, Rechts- oder Steuerberatung an; eine individuelle Beratung erfolgt ausschließlich durch spezialisierte Kooperationspartner mit Erlaubnis nach § 34d GewO.